Maurische Landschildkröte
(Testudo graeca)
Neben der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni) und der Vierzehen-Landschildkröte (Testudo horsfieldii), ist auch die Maurische Landschildkröte (Testudo graeca) die in Privathand meist gehaltene Landschildkröte. Im Aussehen ähnelt sie der Griechischen Landschildkröte. Ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal ist hier u.a. die Schwanzspitze. Die Griechische Landschildkröte besitzt einen hornigen Endnagel am Schwanz, der bei der Maurischen Landschildkröte völlig fehlt. Dafür befindet sich bei ihr neben der Schwanzwurzel beiseitig ein Hornkegel, der wiederum bei den Griechischen Landschildkröten nicht vorhanden ist.
Bei der Maurischen Landschildkröte existieren zahlreiche Unterarten, die leider bis heute noch nicht alle erforscht und auch zum Teil nicht alle anerkannt sind. Eine Ausnahme hiervon ist die Testudo graeca ibera die auch recht gut bei uns zu halten ist.
Die Biotope der Testudo graeca erstrecken sich sowohl über Südspanien, Balearen, Sardinien, Nordafrika als auch auf dem Balkan und in Kleinasien. So haben auch die einzelnen Unterarten verschiedene Lebensräume und andere Klimabedingungen. Daher sollte man sich vor dem Kauf eines Tieres eingehend über die Herkunft erkundigen, zumindest nach dem Namen der Unterart.
Tiere aus Nordafrika leben im Halbwüstenklima, und sind somit eher als tropische Schildkröte anzusehen. Sie eignen sich nur bedingt für die Freilandhaltung in unseren Breiten und sind recht problematisch in Haltung und Pflege. Die Tiere vom Balkan und Kleinasien haben heiß-trockene Sommer und kalte Winter. Die östlichen Tiere halten einen echten Winterschlaf, die westl. mehr eine Winterruhe, deren Länge davon abhängig ist, woher sie kommen.
Auch die Maurische Landschildkröte ist vom Aussterben bedroht und nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen streng geschützt. Sie darf nur mit entsprechender Besitzbescheinigung und Vermarktungsgenehmigung gekauft, bzw. verkauft werden und muß mit diesen Unterlagen bei der komunalen Behörde des Wohnortes angemeldet werden.
Mein Rat:
Bitte nehmen Sie keine Tiere aus dem Urlaub mit nach Hause. Nicht nur, weil sie sich damit strafbar machen ( die Strafe kann sehr empfindlich ausfallen!) sondern auch zum Wohle des Tieres. Nur ein geringer Teil dieser illegal eingeführten Tiere überleben diesen Stress. Auch wenn das Angebot noch so verlockend ist und das Tier noch so wunderschön, belassen sie es lieber in dessen Heimatbiotop, wo es sich mit Sicherheit wohler fühlt und weiter fortpflanzen kann. Greifen sie lieber auf einheimische Nachzuchten zurück, die von verantwortungsvollen Züchtern liebevoll nachgezogen werden. Hier haben Sie auch immer einen Ansprechpartner bei Problemen und bekommen Hilfestellungen. Vor allem bekommen Sie ein gesundes, stabiles Tier, das eher an unser Klima gewöhnt ist.
Unser Verein ist Ihnen bei der Vermittlung gerne behilflich.
Buchtipp::
Schildkröten, Symposiumsband von Harald Artner & Elmar Meier ISBN 3-931 587-42-8
Europäische Landschildkröten von Richard Mayer ISBN 3- 924809-10-0
Die Landschildkröten Europas von Prof. Dr. Walter Kirsche ISBN 3-88244-009-0
Testudo graeca ibera
Verbreitungsgebiet:
Die graeca ibera lebt vom Zentrum der Balkaninsel bis ans Schwarze Meer: Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Europ. Türkei, Iran, Rußland zwischen Schwarzem Meer und des Kaspischen Meeres.
Diese Unterart der Maurischen Landschildkröte ist die verbreiteste und recht gut, wie auch die Griechische Landschildkröte, zu halten und pflegen. Eine Gruppenhaltung ist empfehlens-wert. Jedoch sollten auch hier die weibl. Tiere eindeutig in der Überzahl sein, da gerade Iberamännchen in ihrem Paarungsverhalten nicht gerade zurückhaltend sind.
Aussehen:
Mit einem Stockmaß von bis zu 30 cm ist sie eine der größten der der bekannten Unterarten. Die Haut der Alttiere ist dunkel. Der Rückenpanzer (Carapax) ist glatt gewölbt und weist eine verwaschene Zeichnung auf. Der Baupanzer (Plastron) ist vorwiegend dunkel.
Haltung:
Eine Freilandhaltung ist zum Wohlbefinden des Tieres unbedingt erforderlich. Das Gehege für 1 Tier muß mind. 3 Meter lang und 2 Meter breit sein. Für jedes weitere muss natürlich mehr Platz angeboten werden. Die Umrandung sollte 40 cm hoch und ca. 25 cm tief eingegraben werden. Bei Jungtieren muß die Anlage zusätzlich oben mit Maschendraht abgesichert werden, da sonst die Kleinen eine leichte Beute für entsprechend große Vögel und Nager werden könnten.
Ein unbedingtes Muß ist ein mit Heu oder Stroh gefüllter trockener Unterschlupf. Das Gehege sollte so angelegt werden, dass es so lange wie möglich Sonneneinstrahlung hat und bei starkem Regenfällen, das Wasser gut ablaufen kann. Aber auch Schattenplätze sind notwendig. Kleine Büsche oder Wurzeln tun hier gute Dienste. Bitte auch an eine Wasserstelle denken, die täglich gereinigt werden muß.
Gartenkräuter können falls nicht genügend vorhanden, ausgesäät werden und dienen dann ebenso wie z.B. Fetthenne oder auch Stiefmütterchen der Selbstversorgung des Tieres. Je nach Größe des Geheges und Anzahl der zu pflegenden Tiere wird man aber auch zufüttern müssen.
Terrarienhaltung:
Im Krankheitsfall, oder witterungsbedingt im Frühjahr und Herbst (dies betrifft besonders die Jungtiere, die ja alterbedingt noch nicht so einen langen Winterschalf wie die adulten Tiere halten), wird eine Terrarienhaltung notwendig. Auch dieses kann nicht groß genug sein, sollte aber für ein erwachsenes Tier mind. 8x die Länge und 4x die Breite der Panzerlänge haben. Mindestens für die Übergangszeit aber 120cm x 60cm.
Bodengrund:
Ich benutze Pinienrinde bzw. Pinienerde und mische etwas Papageiensand unter. Kleine Grabsnarben mit Wiesenkräuter versetzt können eingebracht und bei Bedarf durch neue ersetzt werden. Ab und zu etwas mit Wasser besprühen, damit der Bodengrund nicht zu trocken wird. Auch Heu ist in einer Ecke des Terrariums immer vorhanden.
Wärme und Beleuchtung:
Ein 60Watt Spot Strahler sorgt für die punktuelle Erwärmung (in Bodennähe 30-34°) Eine Neonröhre mit hohem UV-Anteil beleuchtet das Terrarium. Mit der Beleuchtungs- und Wärmedauer des Stahlers passe ich mich dem jahreszeitl. bedingtem Tages/Nachtrhytmus an. Bei längerem Terrarienaufenthalt muß zusätzlich 1-2x wöchentl. Mit einer UV-Lampe (z.B. Osram Vita Lux) bestrahlt werden. Mindestabstand zum Tier 80 cm. Bestrahlungsdauer: mit 2 Minuten beginnen und langsam auf 10 Minuten erhöhen. Eine zusätzliche Bodenheizung benutze ich, wie auch bei meinen Griechischen Landschildkröten, nicht. Sie ist meiner Meinung nach für eine gesunde Landschildkröte nicht erforderlich. Bedingt durch die beheizten Wohnräume und der Wärmelampe, herrschen in meinen Terrarien am Tage Temperaturen zw. 23 und 26°. Den Tieren reicht diese Umgebungstemperatur völlig aus. Wenn sie es wärmer haben möchten, können sie sich unter der Wärmelampe erwärmen, wenn nicht, ziehen sie sich an eine kühlere Stelle des Terrariums zurück. Sie können so ihre Vorzugstemperartur selbst wählen.
Auch im Terrarium braucht die Schildkröte ihren festen, dunklen und kühleren Schlafplatz. Eine Nachtabsenkung der Temperatur ist daher unbedingt notwendig. Je größer das Terrarium ist, desto schöner kann man es natürlich auch schildkrötengerecht einrichten.
Auf eine Wasserstelle verzichte ich bei meinen älteren Tieren hier, bade sie aber dafür 1x wöchentlich.
Im Krankheitsfall wird das Quarantäneterrarium aus hygienischen Gründen und zur besseren Kontrolle der Ausscheidungen, jedoch nur mit Zeitungspapier oder Haushaltrollenblätter ausgelegt.
Winterschlaf:
Die graeca-ibera sollte zur Gesunderhaltung die Möglichkeit haben die kalte Jahreszeit zu verschlafen. Ob in einem frostfreien Raum (Keller) oder in einem seperatem Kühlschrank (einige Zeit vor dem Winterschlaf überprüfen ob er die Temperatur gut hält), ist egal. Hauptsache die Temperatur liegt um 5°.
Meine Tiere schlafen je nach Alter zwischen 8 Wochen (Babys) und bis zu 5 Monaten (Alttiere).
Ernährung:
Auch die Maurische Landschildkröte ist fast ausschließlich ein Vegetarier. Also bitte kein Fleisch oder gar Hunde-oder Katzenfutter füttern. Dies führt zu erheblichen körperlichen Schädigungen. Es gibt Tiere, die gelegendlich einen selbst aufgespürten Regenwurm, Assel oder eine Nacktschnecke genüßlich verputzen. Dies ist dann OK. Ich habe jedoch meine Mauren bis heute noch nicht dabei beobachten können.
Das Hauptfutter besteht auch hier aus Gartenkräutern wie z.B- Löwenzahn, Klee, Wegerich, Vogelmiere, Gänseblümchen aber auch verschiedenen Salaten, Gemüseblättern, geriebene Möhren und ähnlichem. Obst und Tomate sollte man eber zurückhaltend verfüttern. Tomaten haben ein ungünstiges Kalzium/Phosphorverhältnis. Zuviel Obst kann zu Durchfällen führen und somit die Darmflora nachhaltig schädigen.Ich füttere es daher höchstens 1x wöchentl. und werfe es wahllos ins Freigehege, damit es die Tiere selbst finden müssen. Sehr gern gefressen und auch nahrhaft sind Sukkulente wie z.B. Fettehenne. Ja sogar Stiefmütterchen werden ebenso wie Hibiskusblüten sehr gern genommen. Gutes Heu sollte immer angeboten werden. Man kann es im Sommer sehr gut selbst herstellen. Es hat einen guten Anteil an Vitamin D, ist ein hervorragender Verdauungsregulator und schlafen läßt sich darunter auch noch wunderbar.
Sepiaschale sollte als Kalklieferant und zur Abnutzung der Hornschneiden ebenfalls ständig zur Verfügung stehen.
Wenn nicht hauptsächlich mit Gartenkräutern gefüttert werden kann, wird es notwendig ab und zu Kalk (aus der Apotheke) gelegentlich eine Prise Mineralpulver und je nach Größe des Tieres 2-6 Tropfen Vitamine (1x monatlich) über das Futter zu geben. Vor allem bei Jungtieren und eierlegenden Weibchen ist die regelmäßige Kalkversorgung wichtig.
Die nordafrikanischen Unterarten
Testudo graeca-graeca - Testudo flavominimaris - Testudo graeca-terrestris - Furculachelys nabeulensis - Furculachelys whitei:
Gerade die Unterarten die in Nordafrika beheimatet sind, eignen sich meiner Meinung nach nur bedingt für eine Freilandhaltung. Sie sind in Haltung und Pflege sehr heikel und daher eher abzulehnen. Sie sind sehr wärmebedürftig und sehr empfindlich was unsere Wetterverhältnis und auch Stress betrifft. Sie dürfen nur an richtig schönen Sommertagen mit viel Sonne ins Freiland. Ideal ist ein Gewächshaus oder geräumiges Frühbeet welches man in die Freilandanlage integriert.
Temperaturen unter 18 ° und nass-kalte Sommer vertragen sie nicht und reagieren sofort mit Schnupfen, aus dem schnell eine Lungenentzündung entstehen kann. Helfen dann hier bei Schnupfen keine Kamillen-Dampf-Bäder und Temperaturerhöhungen sowie tägl. 1-2x Rotlicht für 10 Minuten, müssen die Tiere von einem erfahrenen Schildkrötentierarzt behandelt werden. Oft wird dann Antibiotika notwendig sein, dass jedoch bei Schildkröten nicht immer gut verträglich ist. Daher sollte man eher Vorsorge treffen und das Tier warm halten.
Im Terrarium wird man bei diesen wärmebedürftigen Tieren auf eine Bodenheizung, die in einem Teil des Behältnisses angebracht wird, nicht verzichten können. Auch eine Beleuchtung mit hohem UV-Anteil und zusätzliche mind. 1x wöchentl. UV- Bestrahlung ist notwendig. Bei dem Bodensubstrat erhöhe ich den Sandanteil. Ansonsten ist die Ausstattung und auch die Fütterung die Gleiche wie bei den Graeca-ibera.
Winterschlaf bei den nordafrikanischen Unterarten:
Je nach Verbreitungsgebieten halten Sie eher eine Winterruhe bei Temperaturen von 10-15°. Die Dauer sollte 10-12 Wochen nicht übersteigen.
Manche Tiere halten biotopbedingt gar keinen Winterschlaf, manche eher eine Sommerruhe. Wenn man das Ursprungsland der Schildkröte kennt, kann man sich an Hand von Klimakarten informieren um es so optimal wie möglich zu halten/pflegen und seinen Ansprüchen gerecht zu werden.